Kultur-Austausch

Kultur-Austausch

Drei Wochen Hotelcheck auf den Malediven – da ist klar, dass man auch hinter die Kulissen blickt. Und jene, die Deutsch zu ihrer Muttersprache zählen, laufen sich natürlich auch über den Weg. Zwangsläufig. Im fashionable Hotel Hideaway Beach Resort & Spa findet sich in der Staff immerhin ein Deutscher: Junior Souschef Benny Lysik ist 24 und hat einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Witzig, zuzuschauen, wie der fast 2 Meter große Koloss seine Mannschaft – eine Horde kleinwüchsiger Asiaten – durch die Küche jagt. Seit 30. August 2022 ist er auf der Insel. Er sei hierhergekommen, um zu lernen. Aber – „in Wahrheit lernen die viel von mir“. Besonders wenn‘s um Saubereit, Genauigkeit und Rezepturen geht – Punkte, die zwar „deutscher Standard“ sind, aber auf einer Malediven-Insel freilich nur zaghaft angegangen werden.

Privat kocht Benny gerne Pizza und Frikassee. Freilich nicht in den klassischen Zubereitungsversionen, sondern wenn, dann schon außergewöhnlich, sprich experimentell. Gelernt hat er im Waldorf Astoria in Berlin, danach ging es ins Grischa Hotel in Davos. Mit der Idee von Gottfried Wolf, einem Linzer Gastronomie-Experten, den wir detto auf der Insel treffen, konfrontiert, dass man, um die Personalknappheit in unseren Landen auszugleichen, alle, die da international unterwegs sind, mit Top-Konditionen zurückholen sollte, winkt Benny ab. „Ich mache meine zwei Jahre hier“, meint er. Er will seine Fusion-Qualitäten verbessern (am liebsten verfeinert er mit Zitronengeschmack und seine fernöstliche Fischsuppe ist zum Niederknien), Erfahrung sammeln und seinen persönlichen Kulturaustausch leben.

Das Salär, das dafür bezahlt wird, werde ich – aus Höflichkeit – nicht nennen. Es liegt freilich bei einem Drittel dessen, was ein heimischer, qualitativer Souschef dieser Tage verdient. Verbunden mit einigen Bonifikationen: Einmal im Jahr kann er die Mama einfliegen, Familienmitglieder, die im Resort wohnen, haben 50% Discount, und einmal im Jahr gibt’s auch die Tickets nach Hause.

Und was kommt danach? Benny: „Mein Traum wäre, irgendwann einmal in meinem Leben auf einen Stern kochen zu dürfen…“

Der Bursche hats drauf – wir werden wohl noch von ihm hören.

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