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© Gary Milano

Die Flamme in dir muss brennen

Natalia Ushakova gilt als Ausnahmetalent. Ihre Stimme ist ebenso unverwechselbar wie ihr Humor und ihre Leidenschaft. Mit elite sprach der internationale Star über Jugenderinnerungen, ihre russische Seele und „Divennester“ in der Opernbranche. 

Von Karin Martin

Wenn sie zu singen beginnt, ist es ihre innere Stimme, ihre Seele, die zum Publikum dringt. Natalia Ushakova gilt als ein Ausnahmetalent. „Niemand singt diese extremen Höhen und die Koloraturen mit so einer Leichtigkeit und Freude wie sie“, sagte Mentorin Hilde Zadek, die im Februar 2019 verstorben ist. Der Spannungsbogen, in dem sich ihre Stimme zwischen dunkler Erde und heller Himmelhöhe des hohen F bewegt, gilt als eines der Faszinosa, die ihr Publikum und ihre Verehrergemeinde immer wieder in Atem hält. Kenner sind sich einig, dass in Ushakovas unverwechselbar timbriertem Sopran die berühmte „Träne“ mitzuhören ist, wie sie nur den ganz Großen – einem Giuseppe di Stefano, einem José Carreras in seiner Glanzzeit oder der Callas – zu eigen war.
Apropos Callas: Die ewigen Vergleiche aufstrebender Sängerinnen mit Maria Callas – à la „eine neue Callas“ – sind oft nicht angebracht. Die Callas bleibt unvergleichlich und wird niemals zu klonen sein. Sie verstand es auch, ihre ganz persönliche, ureigene innere Stimme geradezu rücksichtslos nach außen zu kehren. Gerade deshalb drängt sich ein gewisser Vergleich allerdings auf: Die Primadonna Assoluta vereinte – wie Natalia Ushakova – eine zuweilen stark abgedunkelte Tiefe und mittlere Lage mit hoch reichender Koloratur und sang lyrisch-dramatische Partien, Belcanto und halsbrecherische Koloraturen gleichermaßen. Umso spannender ist, dass Ushakova gerade eine „Hommage an Marias Callas“-Tournee plant (siehe Kasten). Im Gespräch mit elite erzählt sie über ihren Weg zur Weltklassesängerin, samt Höhen und Hürden.

Elite: Wenn Sie an Ihre Kindheit in Russland zurückdenken: Tun Sie das mit einem Lächeln? Was macht Sie traurig?
Natalia Ushakova: Als ich noch ein kleines Kind war, war ich davon überzeugt, fliegen zu können. Ich dachte, ich bräuchte nur Flügel, dann würde es schon gehen. Also hab’ ich mir aus Karton große Schmetterlingsflügel ausgeschnitten, habe sie auch farbig bemalt mit Rosa und Blau, mit Sternchen und Blumen. Ich befestigte sie mit Schnüren an meinen Händen und versuchte sofort zu fliegen. Ich ging auf den Dachboden und schrie hinunter: „Oma, schau wie ich fliegen kann.“ Ich wurde darauf panisch von meiner Großmutter davon abgehalten. Bis heute weiß ich es nicht, hätte ich nicht vielleicht doch dank meiner großartigen Überzeugung fliegen können? Es steht ja geschrieben: „Wer glaubt, dem wird gegeben...“ Bis heute beflügelt mich diese Vorstellung.
Elite: Und in der Jugend?
Ushakova: Während meiner Studienzeit in Russland haben wir Studenten sehr wenig gehabt, kaum genug zum Überleben, aber wir haben mit unseren Idealen für die Musik gelebt, und das war wundervoll. Als kleine Leckerei kauften wir uns ab und zu ein Snickers, teilten es in kleine Stückchen und haben es dann zu fünft oder zu sechst zum Tee genascht, das war herrlich.

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Bildcredit: Gary Milano