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Wie aus einem persönlichen Schicksalsschlag ein Verein für Suizidprävention wurde.

 

Am 19. Oktober 2016 hat die langjährige Sales- und Marketingleiterin des Linzer Unternehmens y-doc (Wartezimmer TV), Mag. Christina Andlinger im Alter von 28 Jahren Suizid begangen. Ein Ereignis, das einen Denkprozess ausgelöst hat. Es wurde der Verein „Bleib bei uns“ gegründet, mit dem Ziel, aktiv die Suizidprävention voranzutreiben.

Seit 1. Dezember ist nun die Webseite bleibbeiuns.at erreichbar und ab sofort wird im Wartezimmer TV und im Patienten TV von SMG ein Spot zum Thema Suizide ausgestrahlt. Wir haben mit y-doc-Geschäftsführer und „Bleib bei uns“-Gründer Michael Richter gesprochen.

ExtraDienst: Herr Richter, was hat sie dazu bewogen nach dem Suizid ihrer Mitarbeiterin die Initiative „Bleib bei uns“ zu starten?

Michael Richter: Nach dem Suizid von Christina Andlinger haben wir uns auf die Suche nach Gründen begeben. Warum kommt es zu einer Entscheidung für den Suizid? Wieso hat niemand etwas bemerkt? Ich habe mich also mit Spezialisten aus der Suizidprävention unterhalten. Dabei musste ich mit Entsetzen feststellen, dass dreimal so viele Menschen durch Suizid sterben wie im Straßenverkehr. Während aber vieles getan wird, um die Straßen sicherer zu machen (Gurtenpflicht, Alkoholkontrollen, Geschwindigkeitsbeschränkungen), wird kaum öffentlich über Suizid gesprochen.

ED: Welche Schritte führten dann von der persönlichen Verarbeitung zur Gründung des Vereins?

Richter: Das ging sehr schnell. Gleich nach dem Begräbnis habe ich mich dem Team zusammengesetzt, wo es erste Ideen in diese Richtung gab. Danach gab es Gespräche mit der Familie und dem engsten Freundeskreis. Alle waren sehr empfänglich für die Idee und haben sich engagiert. Die Vereinsgründung war dann ein logischer Schritt. Wir konnten dann mit der Agentur Koeppel einen Partner gewinnen, der sich kostenlos um die Gestaltung des Webauftritts kümmerte.

ED: Gibt es konkrete Ziele, die Sie mit „Bleib bei uns“ erreichen wollen?

Richter: Konkrete Ziele sind sehr schwierig zu formulieren. In erster Linie geht es uns darum, das Thema Suizid zu enttabuisieren und mehr Aufmerksamkeit zu schaffen. Natürlich steht aber im Hintergrund das Ziel, Leben zu retten. Wenn es unserer Initiative gelingt, nur ein einziges Leben zu retten, dann ist es schon ein Erfolg.

ED: Danke für das Gespräch und für das tolle Projekt!

Bildcredit: Bleib bei uns