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Kollektion PreFall 2017/18

Eine textile Hommage

Kunst kommt von Können – wenn es eines weiteren Beweises dieses geflügelten Wortes bedarf, muß man sich nur in die Mayer’sche Hofkunstanstalt in München begeben, wo aus Glas mit großer Leidenschaft, kompromißloser künstlerischer Kompetenz, gesundem Geschäftssinn und einer gewissen Furcht­losigkeit vor Größenwahn Artefakte entstehen, die ganze Metrostationen, Kathedralen, Paläste, Fakultätsgebäude oder sonstige Heimstätten feinsinniger Repräsentation ausfüllen. Einer der letzten Betriebe seiner Art auf der Welt, scheinen die Dinge dort akribisch wie gemächlich ihren Lauf wie vor einhundertsiebzig Jahren zu nehmen, als er gegründet wurde, stünden Im Keller nicht Laserschneider, Wasserstrahlbohrer und Laminierroboter, und würden nicht die Lieblinge des internationalen Kunst-Jet-Sets die beschaulichen Ateliers eines Münchner Hinterhofs regelmäßig in einen Taubenschlag verwandeln.

Als uns Petra Mayer im letzten Sommer darum bat, zum 170. Jubiläum ihres Familienbetriebs eine textile Hommage an ihr Metier zu schaffen, kam uns sofort in den Sinn, die edle Transparenz vergoldeten Glases mit der Leichtigkeit von Federn und der Sinnlichkeit von Seidenchiffon zu verbinden. Die daraus entstandene Tunika mit metall-gesprayeter Jerseyhose stellt einen der Key Looks unserer Kollektion PreFall 2017/18 dar.

Unsere diversen Besuche in der Hofkunstanstalt haben aber auch andere Spuren hinterlassen:

Mosaike haben uns inspiriert, Taroni’s kostbaren Seidenduchesse in kleine „Steinchen“ zu schneiden und damit Botschaften auf Tops zu sticken, die den amerikanischen Präsidenten an seine spektakuläre Niederlage bei den Public Votes erinnern werden, Abbilder eines konstruktivistischen Fenstermonuments, das im Prefall eine amerikanische Eliteuniversität bereichern wird, haben wir als Perl- und Cutout-Stickerei auf Mäntel und Kleider aus signalfarbenem Satin platziert und Bleiglasfenster haben uns zu einem abstrakten floralen Druck auf Scubacrêpe und Seidenchiffon inspiriert, der sich auf sinnlich modellierten Kleidern, Coats oder flattrigen Dinnertops wiederfindet. Daneben finden sich überall Glaspailletten, Bleiglasstrukturen und transparente Partien, selbst alberne Stickereibordüren aus Vinyl verhehlen nicht, dass einzig und alleine Glas der Kollektion Pate stand.

Kleider stellen nach wie vor die Kernkompetenz von TALBOT RUNHOF dar, Passform und ein vorteilhaftes Körperempfinden sind deren USP. Dennoch entspannen sich die Silhouetten – Loses, Transparentes wird über präzise Modelliertes gelayert, Ärmel- und Rockpartien deuten großzügigere Volumina an, die Gesamtsilhouette wird länger und a-liniger. Schwere Jerseys umschmeicheln den Körper, neue Stretchstoffe kommen weicher, voluminöser, griffiger daher und unterstützen die neue Silhouette.

Es sind aber die neuen Dinnertops, die Furore machen, meistens in Verbindung mit coolen, hochtaillierten Slacks: Sie haben Volants, transparente Cutouts und angedeutete Schösschen, und sehen zu extraweitem Denim genauso gut aus wie zur komfortablen Stretchleder-Karotte.

Dazu sehen goldglänzende Accessoires gut aus: Turtlenecks aus Cashmere, blickdichte Stockings und Unützer’s Pantoffeln oder Booties aus geschmeidigem Kalbsleder.

 

31. 5. 2017 / gab
Bildcredit: TALBOT RUNHOF